Meinungen aus Kultusbehörden


Brief von Frau Johanna D. an das Kultusministerium in X vom 01.02.2002

Betrifft: Verbesserungsvorschläge wegen "Pisa".

Diese Verbesserung kostet fast kein Geld.

Sie bezieht sich auf das Rechnen im täglichen Leben und auf viele Bereiche der Mathematik; Und zwar auf die Benennung der Zahlen von 21 bis 99. Im schriftlichen ändert sich nichts. Seit der Schulzeit schreiben wir z. B. die Zahl 42 wie folgt nieder: Man schreibt die Ziffer 4 und sagt "zwei". Dann schreibt man die Ziffer 2 und sagt "undvierzig". Diese Verdrehung behalten wir Deutschen ein Leben lang bei. Aber die Fehlerquelle lässt sich vermeiden. Die Engländer z. B. benennen die Zahlen so:

42=forty-two. Zuerst die Zehner, dann die Einer. Das ist die richtige Reihenfolge und logisch. Mein Vorschlag: Auch wir sagen 42= vierzigzwei. Diese Vereinfachung erfolgt nicht nur im Bereich der Einer, sondern auch bei den Tausendern, Millionen u.s.w.

     Z.B. die Zahl     Millionen          Tausender         Einer

                                  642                    328                 574

sechshundertvierzigzwei Millionen, dreihundertzwanzigacht Tausend, fünfhundertsiebzigvier. Dabei entfällt jedes Mal das Wort "und".

Die Zahlen-Umbenennung kann von X ausgehen und den ganzen deutschsprachigen Raum erfassen nach dem Grundsatz:

                     Warum umständlich, wenn es einfach geht.


Aus einem Brief des Kultusministeriums in X vom 12.02.2002 an Frau Johanna D.

Im Auftrage der Ministerin möchte ich Ihnen herzlich für Ihr Schreiben danken, in dem Sie einen Vorschlag zur Verbesserung des Rechnens unterbreiten.

PISA sollte von allen Bürgerinnen und Bürgern als Anlass genutzt werden, über die zukünftige Gestaltung unserer Schulen, aber auch eigene Möglichkeiten der verstärkten Übernahme von Verantwortung nachzudenken. In diesem Sinne begrüßen wir alle Vorschläge, die dazu beitragen, die durch PISA aufgedeckten Probleme zu lösen.

Ihre Idee einer "Zahlenumbenennung" ist in sich durchaus stimmig, allerdings wird es nicht möglich sein, in unserem Sprachraum die über Jahrhunderte gewachsene und allgemein anerkannte "Verdrehung" umzubennen. In diesem Falle ist das umständliche letztendlich doch das einfachere Verfahren.

Ich danke Ihnen dennoch für Ihren Vorschlag.

 


Brief von Prof. Dr. Waldemar Reinecke vom 10.01.1984 an die Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der BRD

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der deutschen Sprache gibt es einige Grundzahlen, die nicht nur unlogisch zusammengesetzt sind, sondern immer wieder zu Verwechselungen Anlass geben, insbesondere, wenn beim Menschen Ermüdungserscheinungen auftreten. Es wird daher vorgeschlagen, folgende Änderungen vorzunehmen:

bislang:                                               in Zukunft:

dreizehn                                                            zehndrei

vierzehn                                                            zehnvier

fünfzehn                                                             zehnfünf

sechzehn                                                            sechszehn

siebzehn                                                            siebenzehn

achtzehn                                                            zehnacht

neunzehn                                                           zehnneun

einundzwanzig                                                 zwanzigeins

zweiundzwanzig                                               zwanzigzwei

dreiundzwanzig                                                zwanzigdrei           u.s.w.

Entsprechendes gilt für Ordnungszahlen, Bruchzahlen und andere Zahlenwerte.

Aus langjähriger Erfahrung und aus Gesprächen mit Vertretern der Wirtschaft, der Politik, der Schulen und der verschiedenen Verbände und Organisationen weiß ich, dass die meisten eine derartige Änderung sehr begrüßen würden. Das Erlernen der neuen Zahlen ist wesentlich leichter (man denke an die Fremdsprachen) und kürzer. Eine große Anzahl schwerwiegender Verwechselungen hätte sich vermeiden lassen, wenn eine Korrektur schon früher eingeführt wäre.

Ich möchte Sie bitten, sich bei den entsprechenden Stellen dafür einzusetzen, dass die vorgeschlagenen Änderungen alsbald durchgeführt werden können.

Mit freundlichem Gruß

Waldemar Reinecke

 


Reaktion der KMK am 07.04.2003

Die Änderungen der Zahlwörter, die Sie vorschlagen, ist m. E. nicht in den Zusammenhang mit der neuen deutschen Rechtschreibung zu stellen. Eine Veränderung dieser Wörter wäre eine Veränderung der Sprache selbst. Dies hat die neue Rechtschreibung nie beabsichtigt.

In der Sache müsste sich so ein Vorschlag nach einer längeren öffentlichen Diskussion durchsetzen. Die Kultusministerkonferenz wird hierzu sicherlich keine Anregungen geben wollen, da sie zur Änderung der Sprache keine Kompetenz hat. Im Übrigen sei der Hinweis erlaubt, dass Ihr Vorschlag sicher keine Angleichung an Fremdsprachen darstellen würde, da es z.B. im Französischen teilweise erheblich komplizierte Zahlwörter gibt.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

T. F.




Diese Rundmail richtet sich an die Ministerpraesident(inn)en und 
Regierende Buergermeister der Laender der Bundesrepublik 
Deutschland.
Ich möchte Sie mit dieser Email über ein Reformvorhaben 
informieren, das bereits seit der Zeit von Adam Riese auf eine 
Umsetzung wartet. Es geht darum, im Deutschen auch Wörter wie 
zwanzigeins, fünfzigviertausend dreihundertzwanzigsieben 
einzuführen und sie insbesondere im Mathematikunterricht zu 
verwenden.
Angestrebt wird eine Erweiterung des deutschen Sprachschatzes 
mit dem Ziel, das Deutsche den internationalen Sprachstrukturen 
anzupassen. Von daher sind Argumentationen wie bei der vor 
einigen Jahren durchgefuehrten Rechtschreibreform nicht zu 
erwarten.
Dieses Thema wird auf einem Kolloquium mit dem Untertitel

"Zwanzigeins oder einundzwanzig oder was?"

am 19. 01. 2004 an der Ruhr-Universität Bochum unter 
verschiedenen Gesichtspunkten behandelt.

Ein Programm dieser Veranstaltung finden Sie im Attachment (pdf 
file).

Ich möchte Sie bitten, dieses Reformprojekt politisch zu bewerten.
Von besonderer Bedeutung sind dabei die Auswirkungen, 
die ein solches Aussprechen von Zahlen auf die Entwicklung von 
Denk- und Rechenfertigkeiten von Kindern hat. Es erscheint mir 
dringend geboten, empirische Untersuchungen zu dieser 
paedagogischen Frage in Auftrag zu geben.

Es ist beabsichtigt gegen Ende des Jahres 2004 einen Workshop 
zum Thema des deutschen Zahlenaussprechsystems abzuhalten, 
in der die Problematik wissenschaftlich und bildungspolitisch 
umfassend abgehandelt werden soll.
Es soll dann auch versucht werden, den wirtschaftlichen Schaden 
zu beziffern, der durch das deutsche System verursacht wird, da 
es bei der Kommunikation von Zahlenangaben aus der 
muendlichen in die schriftliche Form zu vermehrten Fehlern kommt. 

Bei Umfragen hat sich gezeigt, dass etwa 60 % der 
Angesprochenen eine solche Sprachreform, wie sie hier 
vorgeschlagen wird, spontan entschieden unterstuetzen. Es ist 
wuenschenswert, eine repraesentative Meinungsumfrage hierzu in 
Auftrag zu geben.

Ich moechte noch erwaehnen, dass der Kanzler der 
Bundesrepublik Deutschland in einer Email vom 14. 12. 03 durch 
Frau Ulrike Kaiser, der Bueroleiterin von Staatssekretaers Anda im 
Presse- und Informationamtes des Bundesregierungamtes dem 
oben genannten Kolloquium spannende Debatten gewuenscht hat.

Ich denke, dass durch "Signale von oben" die Debatte zu der 
"verdrehten Art", im Deutschen zusammengesetzte Zahlen 
auszusprechen, an Dynamik, Breite und Tiefe in erheblichem 
Umfang gewinnen koennte.

Mit freundlichen Gruessen
Lothar Gerritzen


From: Kultusministerium
Sehr geehrter Herr Prof. Gerritzen, Ihr Anliegen muss ich leider ablehnen. Angesichts der vielfältigen Fragestellungen bezüglich der mathematisch-naturwissenschaftlichen Schulbildung sehen wir keine Möglichkeit, die Kultusministerkonferenz mit einer Frage der Normaussprache zu beauftragen. Ich hoffe auf Ihr Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
C. N.




 

Ihr Schreiben per E-mail an Herrn Ministerpräsidenten X

vielen Dank für Ihren außergewöhnlichen Vorschlag, den Sie unterbreitet haben. Herr Ministerpräsident X hat mich gebeten, ihn zu prüfen und Ihnen zu antworten. Inzwischen haben Sie sicher auf Ihrem Kolloquium neue Einsichten gewonnen. Auf jeden Fall haben Sie eine rege und anregende Diskussion nicht nur in Fachkreisen (Deutsche Sprachpflege z. B.) ausgelöst. Ihr Hinweis auf die Rechtschreibreform, geht allerdings ins Leere, denn hier ging und geht es nicht um Sprache und lexikalische Strukturen, sondern um Schreibung von Sprache. Wie Sie wissen, haben außer uns auch andere Völker die Aussprachereihenfolge bei Zahlen wie wir im Deutschen. Wieso sollten sich alle jetzt nach dem amerikanischen oder englischen System richten?

 

Die anlässlich Ihrer Tagung geführten Diskussionen sind sicherlich interessant gewesen und vielleicht hat der ein oder andere Diskussionsbeitrag  ja auch den Hinweis gegeben auf einen notwendigerweise kritischen Blick auf die methodisch-didaktische Situation im Mathematikunterricht an deutschen Schulen.

 

Mit freundlichen Grüßen und besten Wünschen für

Ihre Arbeit verbleibe ich

Im Auftrag

Ministerialrätin

 


Zu den Öffentlichen Meinungen
Zurück