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From: Ralf.Johannesmann@t-online.de (Ralf Johannesmann)
To: zwanzigeins@ruhr-uni-bochum.de
Subject: Zwanzigeins
Date sent: Sat, 25 Sep 2004 21:18:15 +0200

Sehr geehrte Damen und Herren

Christoph Droesser berichtet in seinem Artikel "Zwanzigeins in Ost und West" Die Zeit Nr. 39) von Versuchen, die Rechenkuenste von Schuelerinnen durch "schreibgerechte" Aussprache der Zahlen zu heben. Diese Vorgehensweise ist nicht nur nicht neu, sondern sie war auch nie verschwunden. Anfang der 70er Jahre entwickelten Reinhard Kutzer und Holger Probst einen Niveau und Struktur orientierten Ansatz, Mathematik an der Lernhilfeschule zu unterrichten. Beide lehrten an der Universitaet Marburg. Kutzer ist leider inzwischen verstorben, seine Arbeit wird aber durch seine fruehere Assistentin Dorothea Waniek fortgesetzt. Sie und Holger Probst sind mittlerweile and der Uni Giessen, da die Institute fuer Sonderpaedagogik von Marburg und Giessen zusammengelegt wurden.

Im Band 2 von "Mathematik entdecken und verstehen" werden die zweistelligen Zahlen eingefuehrt. Dies geschieht mit Hilfe des Rechenzuges, der aus Waggons mit jeweils zehn Kisten sowie i.d.R. einem nicht ganz vollen Waggon besteht. Ein Zug mit vier vollen Waggons und fuenf einzelnen Kisten im letzten Waggon ist dann ein Vier-Fuenf-Zug (er enthaelt 45 Kisten). Die konventionelle Sprechweise ist also aufgehoben. Erst wenn die Schueler sicher im Umgang mit den zweistelligen Zahlen sind, wird die konventionelle Sprechweise eingefuehrt. Laut Frau Waniek haben Schuelerinnen, die auf diese Weise lernen, spaeter deutlich weniger Probleme mit Zahlendrehern (und zwar an der Lernhilfeschule!), so dass sich eine generelle Abaenderung der Sprechweise eruebrigt. Ich selbst bin Berufspaedagoge und z.Z. Student der Sonderpaedagogik. Meine ersten Erfahrungen mit dem Rechenzug sind sehr positiv. Dass dieses Konzept in der Regelpaedagogik nicht bekannt ist und dort neu erfunden werden muss, zeigt einmal mehr, dass wir nicht nur eine Schule fuer alle brauchen, sondern ebenso dringend eine Paedagogik fuer alle, in der Regel- und Sonderpaedagogik nicht mehr getrennt sind. Sonst muessen wir noch viele Raeder immer wieder neu erfinden!

Mit freundlichem Gruss, Ralf Johannesmann.


Dipl. Ing. Martin Schwarz                                                                                                   Tel    004162 893 1989


Rütisteig 1                                                                                                                           FAX 004162 893 2565


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Schweiz

  


Sehr geehrter Herr Professor Gerritzen

 

Mit grosser Freude erfuhr ich von Ihren dankenswerten Bemühungen um eine Reform der Aussprache einiger 2-stelliger Zahlen. Da würde es mich schon interessieren, was bei dem angekündigten Colloquium herauskommt. Stichhaltige Gründe gegen eine solche Reform gibt es wohl nicht. Die Einführung ist heute sicher nicht mehr so einfach, wie sie etwa zu Bismarcks Zeiten gewesen wäre. Das ist halt verpasst.

Sicher ist es richtig, wenn man darüber spricht, wenn das Problem breit diskutiert wird.

Möglicherweise haben die Kultusminister die Kompetenz, die Einführung in ihren Ländern zu "erlauben". Fortschrittliche Lehrer könnten die neue Aussprache in der Schule eintrainieren neben dem Gewohnten. Nicht gerade in der 1. Klasse um die Kinder nicht zu sehr zu verunsichern aber als Alternative. Die Kinder könnten es sich spielerisch angewöhnen, wie sie auch Dialekte aufnehmen. Die vielen Ausländerkinder würden es ohnehin begrüssen; man müsste ihnen den Gebrauch möglichst bald offiziell erlauben.
Wenn man heftige Reaktionen konservativer Gegner vermeiden will, dann sind Dekrete ungeeignet. Alt und Neu können jahrzehntelang miteinander leben. Es ist ja nicht so, wie bei der Abschaffung der D-Mark und der Einführung des Euro. Das braucht gar nicht zu einem bestimmten Termin umgestellt werden. Mit 30 oder 40 Jahren rechne ich schon. Wir Alten können ruhig mit "sechzehn" und mit "achtundneunzig" aussterben.-

Wenn sich genug Leute finden, die gewillt sind, dem gesunden Menschenverstand zum Durchbruch zu verhelfen, werden sich zehnundsechs wie neunzigundacht durchsetzen. Die Überzeugungsarbeit gegen einen durch stetiges Wiederholen eintrainierten liebgewordenen alten Zopf wird wohl mehr mit den Argumenten der Systematik und Logik als mit denen der internationalen Normung geführt werden müssen. Denn wer will im Ernst die Engländer und Amerikaner nachäffen? Von dort her schwappt ohnehin zuviel Unerfreuliches zu uns herüber.
Vielleicht klingt es zu optimistisch, wenn hier die Hoffnung ausgesprochen wird, dass es dem gesamten Sprachraum zu Segen gereicht, wenn folgerichtiges Denken durch Diskussionen um die Sprachlogik gefördert werden kann.

(Das könnte auch einmal der Abschaffung der ungeliebten Sommerzeit zugute kommen, damit man nicht 2-mal im Jahr die Zeitmasstäbe verschieben muss, sonst käme noch jemand gar auf den Gedanken, etwa durch Nullpunktverschiebung für Winter und Sommer jeweils eine besondere Temperaturskala einzuführen)

Als vor Jahren die Rechtschreibreform im Gang war, habe ich zur Inversion der gesprochenen Ziffernfolge in 2-stelligen Zahlen einen Vorschlag im "Sprachspiegel" veröffentlicht, den ich ihnen hier gerne zur vergnüglichen Lektüre beilege.

 

Mit freundlichen Grüssen

 

   Schwarz


54. Jahrgang 1998


Heft 5 (Oktober)  

                                                                                                                           

Sprach

spiegel

 

                                                                        

Herausgegeben

vom Schweizerischen Verein

für die deutsche Sprache (SVDS)

Basel

    

Logischere Reihenfolge der gesprochenen Zahlen - ein Vorschlag



Bei den Zahlen zwischen 13 und 99 (ohne die vollen Zehnerzahlen) stimmen in unserer Sprache Schrift und Sprache nicht überein: 21(zwanzigeins) - einundzwanzig. Diese Unlogik läßt sich sehr leicht beheben.

Fehler bei der mündlichen Übermittlung und beim Niederschreiben von Zahlen kennt jeder. Sie treten häufig auf, wenn man Zahlen über die Tastatur in den Computer eingibt. Buchhalter treiben einen grossen Aufwand, um solcherart entstandene Buchungsfehler zu finden. Übermittlungsfehler am Telefon haben oft schwerwiegende Folgen. Die Kommunikation mit Ausländern wird erschwert; ausländische Mitarbeiter, die dieses Phänomen von ihrer Muttersprache her nicht kennen, haben zusätzliche Mühe.

Zur Weitergabe von Telefonnummern verlangt die deutsche Post seit Jahren, dass bei der Vermittlung die Nummern in der Reihenfolge der Ziffern durchgegeben werden; für 37891: drei, sieben, acht, neun, eins.

Da bei der modernen Selbstwahltechnik die Telefonbetriebe an jeder falsch gewählten Nummer verdienen, zumal neuerdings auch Wahlversuche verrechnet werden, dürfte eine Verbesserung der Situation heute jedoch nur noch von den Sprachreformen zu erwarten sein.

Es wird folgende neue Ausdrucksweise vorgeschlagen: z. B. für 17 zehnundsieben oder abgekürzt zehnsieben, für 39 dreissigundneun, für 68 sechzigundacht für 82 achtzigundzwei usw.

Bereits nach mehrmaligen lautem Lesen gehen die so gesprochenen Zahlen leicht von der Zunge. Anfängliche Bedenken wegen des geänderten Sprachrythmus verschwinden sehr bald. Der Einführung dieser neuen Sprechweise werden in Anbetracht der sichtbaren Vorteile kaum Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden, wenn die Übergangszeit genug bemessen sein wird, zumal es keine Verwechslungsgefahren gibt. Auch scheint die Zeit heute reif zu sein für eine solche logische, von jedermann nachvollziehbare Änderung. 
                                                                                                                                                                Martin Schwarz


Aktennotiz

vom 05.10.2004

 

Als ich im letzten Weltkrieg in Italien bei der schweren Artillerie Batterie-Chef war, passierte dort bei den schweren Abwehrkämpfen folgendes:

Von unserer Beobachtungsstelle gab mein Leutnant an die Feuerstellung durch:

Ganze Batterie ( = 4 Geschütze) Entfernung: 7400 (gesprochen - vierundsiebzighundert). Unglücklicherweise schrieb der völlig übermüdete Nachrichtenmann 4700, das dann zu den Geschützen weitergegeben und sofort ausgeführt wurde. Das Ergebnis: es wurde viel zu kurz geschossen und das Schlimmste: 11 unserer Soldaten starben, 19 wurden verwundet, davon einige schwer.

Meine Meinung: Wäre damals in der deutschen Sprache die Sprechweise nicht vierundsiebzig, sondern siebzigvier gewesen, wäre diese Unglück nicht passiert.

 

Prof. Dr. W. R.


Symposium der IGSN (International Graduate School of  Neuroscience),

 

       Ruhr-Uni-Bochum

       14. März 2005

 

 

Neurobiology and mathematics: representation of numbers in the brain


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