Chronik zur Geschichte der Zahlensprechweise
- Um 500
n. Chr. : Indische Mathematiker führen ein Zeichen, die
Null 0, dafür ein, wenn nichts da ist. Sie erfinden
das
Stellenwertsystem zur Darstellung von Zahlen durch Ziffern.
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Um
800 n. Chr.:
In der arabischen Welt wird
das indische Zahlendarstellungssystem allmählich eingeführt.
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Ab 1200:
Das Stellenwertsystem mit
arabischen Ziffern wird in Italien übernommen.
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1520:
Der deutsche Rechenmeister Jakob Köbel aus Oppenheim
veröffentlicht ein
Buch, in dem er die Ziffernzahlen einführt. Er gibt eine Tafel an,
wie
man sie aussprechen soll:
Er schreibt 21
zwanzigeins
22 zwanzigzwei
usw.
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1525: Beleg aus einer
Kanzlei der schweizerischen Stadt Zofingen
"nach der
mönschwärdung Christi Jesu unnsers säligmachers gezallt
thusenntt
funnffhundert zwentzigk unnd funnf jar"
Zitat aus: Das Stadtrecht von Zofingen, bearb. und hg.
von Walther Merz, Aarau 1914, S. 199.
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1522: Adam Riese
verfasst ein Buch zum schriftlichen Rechnen. Obschon er das Buch von
Köbel kennt und schätzt, übernimmt er nicht die
unverdrehte Köbelsche
Zahlensprechweise, sondern schlägt eine radikalere Variante vor.
Man
soll 7895 als siebentausendacht hundertneunzehnfünfeins lesen.
Diese
Form wurde ins Chinesische und Japanische übernommen. Daneben
stellt er
die verdrehende Zahlensprechweise vor und weist genau auf die Art der
Ziffern - Inversionen hin.
- 30.04.1848: Der deutsche Dichter Freiligrath schreibt
in einem Gedicht, "Achtzehnhundertvierzigacht". Er verbindet
fortschrittliches Denken mit unverdrehter Zahlensprechweise.
- Um
1850: In
Wales wird eine Zahlensprechreform durchgeführt.
- 1873: Der Dichter Georg Herwegh
schrieb ein vier - strophiges Gedicht "Achtzehnter März".
Strophe
1: Achtzehnhundert vierzig und acht,
als im Lenze das
Eis gekracht,
Tage des Februar,
Tage des Märzen,
waren es nicht
Proletarierherzen,
die voll Hoffnung
zuerst erwacht
Achtzehnhundert vierzig und acht?
Strophe 4: Achtzehnhundert siebzig und
drei,
Reich der Reichen, da stehst du, juchhei!
Aber wir Armen, verkauft und verraten,
denken der Proletariertaten -
noch sind nicht alle Märze vorbei,
achtzehnhundert siebzig und drei.
- 1876:
In der Heiratsurkunde Nr. 32 aus Celle wird die
Jahreszahl in Worten angegeben als "Tausendachthundertsiebenzigundsechs".
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1900:
Prof. Dr. Wilhelm Förster, ehemaliger Rektor der
Humboldt-Universität
Berlin und führendes deutsches Mitglied in der internationalen
Kommission für
Messung und Wägung, weist in einem Exkurs auf die Verkehrtheit der
deutschen Zahlensprechweise hin und fordert eine Änderung.
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1912:
Der Chemiker Wilhelm Ostwald, der als Begründer der Physikalischen
Chemie angesehen wird und 1909 den Nobelpreis für Chemie erhielt,
fordert in einem Abschnitt seines Buches "Der energetische Imperativ",
eine vereinfachte Sprechweise von Zahlen ohne Inversionen.
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1915: A. Schülke, Gymnasiallehrer
aus
Tilsit, schlägt in einem Artikel für die Didaktik-Zeitschrift
"Für
Mathematischen und Naturwissenschaftlichen Unterricht aller
Schulgattungen", eine Umstellung der Zahlsprechweise vor. Er
begründet
es damit, dass unserem Volk große Aufgaben bevorstehen und daher
Erleichterungen im Umgang mit Zahlen notwendig sind.
- 1916: Walther
Lietzmann veröffenlicht ein Buch mit dem Titel " Methodik des
mathematischen Unterrichts". Darin schreibt er im Teil 2, Kap. (2.1):
"Von methodischer Bedeutung für den Unterricht ist der leidige
Widerstreit, der im Deutschen zwischen der geschriebenen und der
gesprochenene Zahl besteht. Wir schreiben 73, also siebzig und drei,
sprechen aber dreiundsiebzig. Es ist gar nicht auszudenken, wieviele
Fehler diesem Verfahren zu Lasten fallen. Aber alle Schritte zur
Beseitigung des Übelstandes sind bisher gescheitert. Der
Rechenlehrer
wird nachdrücklich auf die Inkongruenz von Schrift und Sprache
hingewiesen; er muss seine Schüler dahin bringen, dass sie dabei
besonders achtsam sind. Schreibübungen nach Diktat sind also
notwendig,
empfehlenswert auch Übungen im Abschreiben größerer
Zahlen.
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1945:
Offizielle Instruktionen für den Rechenunterricht im
Französischen
enthalten den Vorschlag, im Arithmetikunterricht eine Fachsprache mit
logisch aufgebauten Zahlnamen einzuführen, um durch die gegebenen
Anomalien der umgangssprachlichen Zahlnamen nicht unnötig
behindert zu
werden.
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Juni 1950:
Martin Schellenberger hält in Dresden vor 400 Lehrern einen
Vortrag
über die Notwendigkeit der Angleichung der Sprechweise der zwei
stelligen Zahlen an das Schriftbild der Zahl. Im Jahre 1953 bringt er
ein Buch mit dem Titel "Zahlwort und Schriftbild der Zahl" heraus. In
ihm schildert er Ergebnisse von Schulversuchen mit der gleichsinnigen
Zahlensprechweise.
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25. Mai 1951:
Das norwegische Parlament beschließt, dass ab dem Schuljahr
1951/52 die
unverdrehte Zahlensprechweise im Schulunterricht zu verwenden ist. Etwa
ab 1990 hat sich die neue Sprechweise weitgehend durchgesetzt.
- 1952:
Frederik Schuh, niederländischer Schriftsteller
popularwissenschaftlicher Bücher, fordert das niederländische
Schulministerium auf, die nicht invertierte Zahlenlsprechweise
einzuführen.
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1957:
Dr. Kurt Zehner verfasst eine Habilitationsschrift "Das invertierte
Zahlensprechen als pädagogisch-psychologisches Problem", die er
bei der
Technischen Universität Dresden einreicht.
- 1965:
Im Verlag Diesterweg erscheint ein Werk "Einführung in die
Mathematik
für allgemeinbildende Schulen" herausgegeben von H. Schröder
und H. Uchtmann. Im Band "Rechnen und Geomerie I" bearbeitet von H.-G.
Bigalke heißt es im Abschnitt 1.2 auf Seite 9.: "Beachte: In der
deutschen Sprache werden die Einer leider immer vor den Zehnern
gelesen. Man liest z. B. vierundsechzig oder vierundsechzig Tausend. In
vielen anderen Sprachen ist dieses nicht der Fall. In der englischen
Sprache heißt es: sixty-four. Im Geschäftsverkehr schreibt
man aber
auch bei uns schon häufig "sechzig und vier" für 64. Dadurch
werden oft
Mißverständnisse
vermieden."
In späteren Bearbeitungen wurde dieser Hinweis entfernt.
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27. Juni 1969:
Prof. Dr. W. Reinecke wendet sich in einem Schreiben an die
Sprachberatungsstelle der Duden-Redaktion, sich dafür einzusetzen,
dass
Schritte unternommen werden, eine logische Zahlensprechweise
einzuführen. Später wendet er sich mit diesem Anliegen auch
an den
Deutschen Normenausschuss, an die Gesellschaft für deutsche
Sprache, an
das Bundesministerium des Inneren und an die Kultusministerkonferenz.
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Um 1985:
Frau Sigrid Eiskirch, Rektorin der Waldschule in Bochum, beginnt aus
pädagogischen Gründen im Mathematikunterricht auch die
unverdrehte
Zahlensprechweise zu verwenden.
- 1996: Walter W. Jacob aus Ratingen
gründet den Arbeitskreis
NRZW ("Neue
Reihenfolge der Zahlwörter"). Er weist zur Begründung darauf
hin, dass
die Anforderungen der kommenden Jahrzehnte mit einer wachsenden
Bedeutung des Digitalbereichs uns keine Zeit mehr gewähren, unsere
Kinder mit unzulänglichen Sprachbegriffen zu belasten.
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5. August 1998:
Herr Jürgen Voigt, Rechtsanwalt und Notar in Dortmund, schreibt an
die
zuständigen Ministerien und Verbände und regt darin an, die
Zahlen von
11 bis 99 in der Reihenfolge ihrer Zehner und Einerwerte sowie ihrer
Schreibfolge auszusprechen.
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Oktober 1998: Der "Sprachspiegel", schweizerische
Zeitschrift für die deutsche Muttersprache, veröffentlicht
einen
Artikel von Martin Schwarz aus Möriken (Schweiz) mit dem Titel
"Logischere Reihenfolge der
gesprochenen Zahlen- ein Vorschlag"
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1. Februar
2002: Frau Johanna Dwenger aus Tellingstedt, Lehrerin im
Ruhestand, wendet sich in
einem Brief an das Kultusministerium in Schleswig-Holstein und bringt
auf Grund ihrer langjährigen Lehrerfahrung, den
Verbesserungsvorschlag
ein, eine Zahlenumbenennung ohne Verdrehungen vorzunehmen.
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19. Januar
2004: In Bochum findet ein Interdisziplinäres Kolloquium
über
das deutsche Zahlensprechsystem statt.
- Sommer 2005: In einem Beitrag für einen von M. von
Aster und J.- H. Lorenz herausgegebenen Band "Rechenstörungen bei
Kindern - Neurowissenschaft, Psychologie, Pädagogik" schreibt Prof. Dr.
Inge Schwank vom Institut für Kognitive Mathematik der Universität
Osnabrück:
"Die
historisch gewachsenen Zahlnamen widerspiegeln nicht das durchgängige
Konstruktionsprinzip der weltweit gebräuchlich gewordenen und sich als
praktisch erwiesen habenden Darstellung von Zahlen im Dezimalsystem.
Schwerwiegend ist, dass gerade die ersten Zahlen von zehn an davon
betroffen sind. Es wäre also dringend an der Zeit, sich um die
Einführung einer geeigneten Fachsprache im Arithmetikunterricht zu
kümmern"
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September 2005:
Der Kinderpsychologe Dr. Jochen Donczik hält auf dem 15. Kongress
des
Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie einen Vortrag über
"Einundzwanzig oder Zwanzigeins?" Er berichtet aus seiner Praxis, in
der er mehr als 130 Dyskalkuliker gründlich diagnostiziert hat und
ruft
dazu auf, den Kindern zu helfen und eine Vereinfachung des
Zahlensystems durchzusetzen.
- 06. März
2006: Der
Unternehmensberater Günter
Lößlein aus Passau gibt an, dass nach seiner Schätzung
durch
Zifferndreher ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von 300 bis 500
Millionen EURO in Deutschland pro Jahr entsteht.
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März 2006:
Frau Maria Ammareller legt die Schriftliche Hausarbeit im Rahmen der
Ersten Staatsprüfung für das Lehramt Primarstufe mit dem
Titel "Die
nichtinvertierte Zahlensprechweise im arithmetischen Anfangsunterricht
am Beispiel der Waldschule Bochum" vor. Sie berichtet auch über
Ergebnisse eigener Untersuchungen über Zahlensprechen.
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15. April 2006: Auf der Kortumstrasse in Bochum
wird eine Straßenaktion durchgeführt. Für Kinder werden
Schnellkurse
zur unverdrehten Zahlensprechweise und darüber Prüfungen
abgehalten. Es
wird den Erfolgreichen ein Zertifikat "Meister der Zahlsprechweisen"
übergeben.
- Seit
September 2006: In mehreren Grundschulen wurden durch
Lehrkräfte des Vereins "Zwanzigeins" Unterrichtsstunden zur Einführung
in die unverdrehte Zahlensprechweise abgehalten. Die beteiligten Lehrer(innen) und
Schüler(innen) waren von der neuen Freiheit angetan
und voll bei der Sache. Es entstand der Eindruck, dass eine deutliche
Mehrheit für die neue Sprechweise eintritt und alte Zöpfe abschneiden
will.
- November
2006: In einem Beitrag "Jetzt schlägt's zehn-drei" für
die Zeitschrift "Gehirn und Geist" beschäftigt sich M. Fayol vom Labor
für soziale und kognitive Psychologie mit der Frage, warum mit vier
Jahren chinesische Kinder schon bis 50 zählen, aber kleine Europäer und
Amerikaner nur bis 15.
Er
weist darauf hin, dass die chinesische Sprache, ihre Zahlwörter und
deren logischer Aufbau auf Zehnerbasis den Kindern das Zählen
erleichtert.
Seit mehr als 40 Jahren zeigen internationale Vergleiche: Die
mathematischen Leistungen asiatischer Kinder sind denen von
Altersgenossen aus den USA, Frankreich oder auch Deutschland deutlich
überlegen.
- 13. März 2007: Das NRW - Ministerium für Schule und
Weiterbildung lädt den Verein "Zwanzigeins" zu einem Gespräch ein.
- 06. April 2008: Im
Heinz Nixdorf MuseumsForum findet ein Aktionstag anlässlich
der Sonderausstellung "Zahlen, bitte" statt.
Der Verein "Zwanzigeins" präsentiert auf einem Stand die
unverdrehte Zahlensprechweise. Es wird eine Unterschriftenaktion zur
Forderung "Die unverdrehte Zahlensprechweise soll im
Schulunterricht behandelt werden". Mehr als 90 % der Angesprochenen
unterzeichnen diesen Vorschlag. Es findet ein Vortrag von Mitgliedern
des Vereins "Zwanzigeins" zum Thema "Dreißigsieben statt
siebenunddreißig" statt.
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- 11. September 2008: Zum Jahr der Mathematik
findet eine Veranstaltung der Fakultät für Mathematik der
Ruhr-Universität Bochum und des NRW-Schulministeriums statt. Prof. Dr.
L. Gerritzen hält dabei einen wissenschaftlichen Vortrag mit dem Titel
"Zur Geschichte der Zahlsprechweisen".
- 15. September 2008: Im Lionsclub
Mülheim (Ruhr) wird engagiert über das Thema "Pisa-Studien und
Zahlensprechweise: Nach der Rechtschreibreform ist vor der
Sprechreform" diskutiert.
- April 2008: Im Universitätsverlag
Brockmeyer erscheint ein Buch mit dem Titel "Zwanzigeins - Für die
unverdrehte Zahlensprechweise: Fakten - Argumente - Meinungen",
herausgegeben von Lothar Gerritzen, Manfred Hauenschild, Paul Kimmeskamp
und Jürgen Voigt". Es enthält Beiträge von 32 Autor(inn)en.
- 5. März 2009: Auf der Jahrestagung
der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik wird ein Vortrag "Zur
Geschichte und Didaktik der unverdrehten Zahlensprechweise"
gehalten